Eine Fahrt mit Busfahrer Vladimir

Wenn Vladimir in Friedrichshafen unterwegs ist, grüßen ihn an jeder Ecke Passanten. Der nette Busfahrer des Häfler Stadtverkehrs ist ein bekanntes Gesicht. „Meine Kinder sagen immer, Papa, die ganze Stadt spricht mit dir, das ist unmöglich“, lacht er.

Dabei ist in seinem Job nicht alles zum Lachen: Baustellen, Stau und zugeparkte Straßen fordern höchste Konzentration. Spaß bei der Arbeit hat er trotzdem. „Ich mag es, wenn was los ist und viele Leute bei mir mitfahren.“

15 Uhr – auf zur letzten Fahrt

Einsatzplan und Wechselgeld – in seiner Tasche hat Vladimir alles, was er für seine Schicht braucht. Das Geld wird übrigens nach jeder Schicht in der Zentrale eingezahlt.

 

Seit 5.30 Uhr ist Vladimir heute schon mit dem Bus unterwegs. Ich darf ihn bei seiner letzten Schicht begleiten. „Wir fahren meist mehrere Schichten am Tag. Dazwischen gibt es immer Pausen – mal kurze und mal lange, je nachdem für welche Fahrten man eingeteilt ist“, erzählt er.

Los geht es immer in der Busfahrer-Zentrale hinterm Häfler Stadtbahnhof an der Eugenstraße. Hier müssen sich alle Busfahrer vor Schichtbeginn beim Fahrmeister melden. Vladimir schnappt sich seine Tasche. „Da sind Fahrpläne, Tarifinfos und Wechselgeld drin – alles, was ich bei der Fahrt so brauche“, verrät er mir.

Am Stadtbahnhof dann der fliegende Wechsel. Der Bus der Linie 12 fährt ein. Zeit, um mehr als ein paar Worte mit seinem Kollegen zu wechseln, bleibt nicht. Vladimir muss schnell den Bus übernehmen. Sitz und Spiegel einstellen, Terminal startklar machen, Behälter fürs Wechselgeld einhängen. Die Handgriffe sitzen, in nur wenigen Sekunden hat er sich eingerichtet. Und schon geht es los.

„Wenn ich morgens die erste Schicht fahre, checke ich den ganzen Bus. Von Verbandskasten bis Feuerlöscher, von innen und außen“, erzählt er. Ohne diesen Sicherheitscheck rollt kein Bus von dem Betriebsgelände.

Baustellen, Staus und enge Straßen

Wir fahren Richtung Markdorf. Neben den „normalen“ Fahrgästen, die ein- und aussteigen, gibt’s auch immer wieder Passagiere mit besonderen Anforderungen: Eine Kindergruppe mit City-Rollern drängelt sich in den Bus, ein Mann schiebt seinen Rollator durch die Mitteltür.

Um diese Uhrzeit ist es verhältnismäßig ruhig auf den Straßen. Dass das nicht immer so ist, weiß ich aus eigener Bus-Erfahrung. „Es ist oft schwierig, den Fahrplan einzuhalten“, sagt Vladimir. Baustellen, Stau und enge Straßen bremsen die Busse regelmäßig aus. „In der Charlottenstraße muss ich immer meinen Bauch einziehen“, scherzt er. Mit 20 Jahren Erfahrung lässt er sich aber nicht so leicht aus der Ruhe bringen.

Ein Job, der viel verlangt

Dabei verlangt sein Job ihm viel ab. Mal geht es schon um 4 Uhr morgens los, mal beginnt die Schicht erst später – dann fährt Vladimir aber bis spät in die Nacht. „Wenn ich Frühschicht habe, stehe ich schon um 3 auf. Um 20 vor 4 steige ich dann ins Auto – morgens brauche ich zum Glück nur 10 Minuten, und mein Auto kann ich direkt am Betriebshof abstellen“, verrät er. Dann geht es sofort los. Je nach Schicht und Tag dauert ein Block mal zwei bis drei Stunden, manchmal sind es auch vier Stunden bis zur Pause. Danach geht es in „fliegendem Fahrerwechsel“ am Stadtbahnhof immer mit einem anderen Bus weiter. Auch die Strecken ändern sich: manchmal wechselt der Bus während einer Fahrt seine Zielanzeige, wie z.B. die Linie 12 in Markdorf. Das geht automatisch über das System. „Meinen Dienstplan habe ich immer dabei, da steht drin mit welcher Linie ich wann fahre.“

Natürlich gehören auch mal Wochenenden mit dazu. „Die Leute wollen ja auch samstags zum Einkaufen oder sonntags zum Ausflug mit dem Bus“, erzählt Vladimir. Für die Busfahrer ist das nicht immer ein Vergnügen: „Gerade, wenn man Familie hat, ist das nicht immer so einfach“, erzählt er. „Meine sechs Kinder mussten oft auf mich verzichten. Wenn ich unser Familientreffen sonntags mal früher verlassen muss, ist das für meine Familie nicht erfreulich.“ Umso mehr genießt er seine freien Wochenenden.

Mehr als nur ein Busfahrer

Trotzdem hat Vladimir Spaß in seinem Job. Er arbeitet schon viele Jahre bei der RAB für den Stadtverkehr und kennt die meisten seiner Fahrgäste. „Ich weiß wo sie ein- und wieder aussteigen und erfahre viel von ihnen“, erzählt er. Viele Fahrgäste vertrauen sich ihm an. „Manchmal fühle ich mich eher wie ein Seelsorger“, lacht er. „Dafür bekomme ich aber auch ganz viele Komplimente. Gerade ältere Leute sind froh, wenn sie mit jemanden sprechen können.“

18 Uhr – Feierabend

Während ich schon auf dem Weg nach Hause bin, fährt Vladimir noch seine letzte Fahrt. Um 18.30 Uhr übergibt er den Bus dann am Stadtbahnhof seinem Kollegen.

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