Unterwegs mit Kat-Schiffsführern

Nachdem ich schon die jüngste Pendlerin auf dem Katamaran getroffen habe, durfte ich jetzt die Katamaran-Schiffsführer Werner Ihde und Andreas Schönegg bei der Arbeit begleiten. Beide sind schon von Anfang an dabei, erzählen sie mir stolz – also echte Bodenseebären und alte Katamaran-Hasen.

Die Schiffsführer Andreas Schönegg (links) und Werner Ihde (rechts) fahren schon seit 13 Jahren mit dem Katamaran über den Bodensee.

Bevor es los geht darf ich mit ihnen hoch auf die Brücke. Ganz schön steil, diese Treppe! Die Sicht ist super, so hoch über dem Anleger. Ich bestaune die Displays, Schalter und Knöpfe und lasse mir erst mal erklären, was das alles ist. Dann muss ich runter in die Kabine und los geht die Fahrt.

Das Kat-Cockpit (von rechts nach links)

  • Die beiden Bildschirme ganz rechts zeigen die Bilder der Außenkameras hinten am Kat. Das hilft den Schiffsführern beim Ein- und Ausfahren im Hafen.
  • Der Drehzahlmesser links daneben zeigt die Drehgeschwindigkeit des Motors an.
  • Der erste große Bildschirm ist das Radar für den Haupt-Schiffsführer und zeigt die Echos in unmittelbarer Nähe.
  • Mit dem Hebel in der Mitte lenkt der Schiffsführer den Katamaran.
  • In der Mitte wird die digitale Karte angezeigt. Die Route der beiden Katamarane ist eingezeichnet. Außerdem sieht man die aktuelle Position des Kats.
  • Das Radar links von der Karte zeigt – wie das rechte auch – Echos an, hat aber einen weiteren Radius.

 

Wie wird man Katamaran-Schiffsführer?

Ihde und Schönegg kamen über die Stadtwerke Konstanz zum Katamaran, die zusammen mit der BSB alle Kat-Schiffsführer stellen. Damals gab es den Katamaran noch nicht, und die beiden arbeiteten als Kassier-Matrosen und Fährfahrer. Dann gab es grünes Licht für die schnelle Schiffsverbindung. „Wir wollten unbedingt dabei sein“, erinnert sich Ihde. „Aber auch als erfahrener Fährfahrer kann man nicht einfach Katamaran fahren.“ Ersten Trainingsfahrten auf dem Rhein in Holland (dem Geburtsort von Fridolin und Constanze) folgten zahlreiche Übungsfahrten auf dem Bodensee. Und auch theoretisch mussten die beiden Schiffsführer aufrüsten und eine Radar-Patent-Schulung machen.

Übrigens dürfen beim Kat nur Schiffsführer ans Steuer, die zuvor mindestens fünf Jahre unfallfrei auf dem See unterwegs waren.

So arbeiten die Kat-Schiffsführer

Es müssen immer zwei Kapitäne an Bord sein: ein Schiffsführer (er hat die Verantwortung für die Fahrt) und ein Steuermann, als Begleitperson – im Regelfall ist übrigens auch der ein voll ausgebildeter Schiffsführer. Die Arbeit ist in Früh- und Spätschichten geteilt, jeder arbeitet vier Tage am Stück und hat dann zwei Tage frei. So sind die Wochenend-Schichten fair verteilt.

Zum Schiffführen gehört aber noch etwas mehr, als über den See zu fahren: Trinkwasser anschließen und auffüllen, Klopapier auffüllen, Abwasser abpumpen, Maschinen warten und tanken. „Wir sind eigentlich Mädchen für alles“, lacht Kapitän Schönegg. „Wir machen das jetzt schon seit 13 Jahren. Langweilig ist es aber nie, jede Fahrt ist anders.“ Während bei Nebel und Sturm höchste Konzentration gefragt ist, geht es bei gutem Wetter verhältnismäßig entspannt zu. „Im Sommer müssen wir aber auch besonders auf die vielen Segler und Tretbootfahrer achten“, ergänzt Ihde.

Bei Sturm bleiben die Katamarane im Hafen

Ist es zu stürmisch, bleiben die Katamarane im sicheren Hafen. Dabei gibt es klare Regeln: Sobald die Wellen höher als 1,50 Meter sind, dürfen die Schiffe nicht mehr fahren. Und das ist auch gut so, aus Sicherheitsgründen, aber auch zum Wohlfühlen. „So heftig will wirklich niemand durchgeschüttelt werden“, meint Ihde. Frei haben die Schiffsführer aber trotzdem nicht: sie bleiben am Anleger und erklären den Fahrgästen, wie sie auch ohne Kat auf die andere Seeseite kommen.

 

Bei unserer Überfahrt war es sehr ruhig auf dem See. Wenn im Sommer tausende Segel- und Motorboote unterwegs sind, sieht das anders aus.

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