Energie-Experte Michael Maucher zum Energiesparen

In Zeiten steigender Energiepreise herrscht ein regelrechter Ansturm auf Energieberatung, Kleingeräte zur Eigen-Erzeugung von Energie und alternative Energien. Energiesparen hat Hochkonjunktur. Wir haben uns mit Michael Maucher von der Energieagentur Bodenseekreis unterhalten, wie er die derzeitige Situation einschätzt und was er Bürgern und Bürgerinnen rät.

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Heizungstausch und PV-Anlagen sind die Top-Themen: Michael Maucher von der Energieagentur Ravensburg
SWSee: Herr Maucher, der Run auf Ihre Beratungsleistung ist riesig. Was ist den Menschen dabei wichtig?

Michael Maucher: Seit dem Herbst 2021 haben wir aufgrund der steigenden Energiepreise auch eine höhere Nachfrage. Die Beratungsschwerpunkte liegen vor allem bei den Themen Heizungstausch (Richtung Erneuerbare Energien) und PV-Anlagen zur Eigenstromversorgung. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs gingen die Anfragen nochmals deutlich nach oben. Wir haben unsere Beratungskapazität verdoppelt, und dennoch gibt es für Beratungen bei uns im Haus z.T. 2 -3 Monate Wartezeit, für vor Ort-Termine wartet man bis zu 6 Monate.

SWSee: Ein Trend ist auch, Energie selbst zu erzeugen. PV, eigenes Blockheizkraftwerk, eigene Windradanlage – was lohnt sich für wen?

Michael Maucher: Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) wird in den meisten Fällen mit Erdgas betrieben und steht aktuell bei vielen schon gar nicht mehr auf der Agenda. Wobei gerade bei Firmen mit hohem Strombedarf und winterlichem Wärmebedarf sich eine Kombination von BHKW und PV anbietet. Im Sommer mache ich den Strom mit PV und im Winter mit dem BHKW – und die Wärme kann ich zum Heizen verwenden. Windkraft als Kleinanlage für die eigene Stromversorgung ist weit weg von der Wirtschaftlichkeit, da machen dann die großen Anlagen deutlich mehr Sinn. Bei den Kleinanlagen haben wir einfach zu schlechte Wirkungsgrade und zu geringe Windgeschwindigkeiten in Bodennähe. Für die private Nutzung bleibt da PV, die in den vergangenen Jahren ihre Effizienz nochmal deutlich gesteigert haben und wirklich an vielen Standorten auch Sinn machen.

 SWSee: PV gibt es aber nicht nur für Hausbesitzer. Für Mieter gibt es inzwischen sogenannte Steckdosen-Solar-Anlagen / Balkonkraftwerke. Ihre Meinung dazu?

Michael Maucher: Gerade für Mieter ist das eine gute Möglichkeit, das Grundrauschen an Stromverbrauch selbst mit erneuerbarer Energie herzustellen. Solche Anlagen sind zum Teil deutlich günstiger als große Anlagen und haben Amortisationszeiten von 4 bis 8 Jahren. Die Kosten liegen je nach Größe zwischen 500 und 1000 Euro. Aber, ein paar kleine Nebenanforderungen sind auch hier einzuhalten: Der bisherige Stromzähler muss mindestens eine Rücklaufsperre haben, die Einspeisung sollte über ein „sichere“ Steckdose erfolgen und die Anlage angemeldet sein. Da hilft gerne der Elektrofachmann von nebenan. Bei mehrgeschossigem Wohnungsbau macht es sogar Sinn, alle Wohnungen mit den gleichen Modulen am Balkon auszustatten – es sieht einfach schöner aus.

SWSee:  Wo geht die Energie-Reise hin? Wagen Sie mal einen Ausblick.

Michael Maucher: Ein Ausblick ist schwer, aber ein paar Punkte kann man schon sehen. Die schwäbische Methode, Energie nicht zu verbrauchen, bekommt Hochkonjunktur. Die Preise für Energie werden hoch bleiben. Wenn es geht, sollte ein Teil der benötigten Energie (Wärme, Strom) vor Ort erzeugt werden und man sollte auf erneuerbare Energie setzen. Die politischen Rahmenbedingungen zeigen Richtung Energieeffizienz z.B. GEG (höhere Anforderungen an Gebäude bezüglich Dämmqualität) und Erneuerbare Energien – nur so gelingt die Energiewende. Ab 2023 sind hier viele Veränderungen geplant, auch bei den Förderungen. Was dann im Detail kommt, kann ich aber leider noch nicht sagen.

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