Beim Stadtwerk Frauensache: Drohnenfliegen

Faszination Drohnenfliegen. Was für viele Männer Technik-Spielzeug und Hobby ist, das ist beim Stadtwerk ein Teil des Jobs – und fest in weiblicher Hand. Was die Arbeit von Theresa Zehentbauer als Kartografin beim Stadtwerk so faszinierend macht? Ein Interview.

Seit knapp einem Jahr bist du Drohnenpilotin beim Stadtwerk. Erzähl doch mal: was genau machst du eigentlich?Wow, das hört sich schon ganz cool an, oder? Tatsächlich ist das Drohnenfliegen aber bislang nur ein relativ kleiner Teil meines Aufgabengebiets. Als Kartografin ist es meine Hauptaufgabe, das komplette Leitungsnetz des Stadtwerks digital aufzubereiten und darzustellen.

Das komplette Leitungsnetz bedeutet …?
Jede. Einzelne. Leitung. Egal ob Wasser-, Strom-, Gas-, Telekommunikations- oder
Wärme­leitung, ob lang, kurz, dick oder dünn. Macht in Summe allein fast 3.446,8 Kilometer eigenes Leitungsnetz.

Und die Kommazahl verrät: ihr nehmt es wirklich GANZ genau.
Unbedingt! Nehmen wir mal an, es kommt in Nesselwangen zu einem Rohrbruch. Dann müssen unsere Stadtwerk-Monteure ja schließlich wissen, wo die Leitung verläuft, damit sie den Bereich des Lecks eingrenzen können. Falsch baggern kann nämlich teuer werden. Anhand unserer Pläne und geografischen Systeme wissen sie ganz genau, wo sie nach dem Leck suchen müssen.

Spannend! Aber nochmal zurück zum Thema Drohne. Wo kommt die zum Einsatz?
Mit der Drohne mache ich Luftbilder und -videos, erzeuge 3D-Modelle von Baustellen, berechne Strecken oder Volumen von Baugruben. Aktuell beschäftige ich mich übrigens über zwei Ecken mit autonomen Fahren.

Autonomes Fahren? Drohne? Wie passt das zusammen?
Wir arbeiten mit der ZF und dem Stadtverkehr Friedrichshafen an einem Projekt zum autonomen Fahren. Dabei kartografieren wir die Teststrecke für den selbstfahrenden Bus. Das bedeutet: Wir fliegen die Strecke ganz genau ab, vermessen und erstellen 3D-Modelle. Schließlich muss jede Kreuzung, egal ob groß ob klein, jede Kurve und jede noch so kleine Steigung berücksichtigt werden. Nur so weiß der Bus nachher, wie viel Platz er zum Ab­biegen hat oder wann und wie stark er lenken sollte.

Worauf muss man bei so einer Befliegung achten?
Grundvoraussetzung ist in jedem Fall ein gewerblicher Drohnenführerschein. Einfach mit der Drohne losfliegen? Keine gute Idee. Außerdem muss ich jeden Flug vorab genauestens planen, schriftliche Genehmigungen vom Ordnungsamt einholen oder mich mit dem Tower in Friedrichshafen abstimmen, damit meine Drohne nicht unfreiwillig Bekanntschaft mit einem startenden oder landenden Flugzeug macht.

Du hast dich beruflich für eine echte Männerdomäne entschieden – jemals bereut?
Absolut nicht. Ich liebe meinen Job und schätze vor allem die Mischung aus Büroalltag und Außeneinsätzen. Ich bin Teil eines super Teams und fühle mich total wohl. Übrigens: bei uns gibt es neben mir noch eine Drohnenpilotin. Damit ist das Drohnenfliegen beim Stadtwerk absolute Frauensache.

Mission Traumjob also erfüllt?
Würde ich schon sagen, ja. Hätte ich nicht Kartografie und Geomedientechnik studiert, wäre ich sicher Fotografin geworden. Muss ja was zu bedeuten haben, wenn meine Freizeit hauptsächlich aus Fotografieren besteht, oder?

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