Hier herrscht Hochsaison

Von uralten Zählern, Smart Metern, Möbelpacker-Jobs und schwierigen Inkasso-Prozessen. Andreas Mikolajczak ist seit 16 Jahren beim Stadtwerk am See. Sein Job gerade jetzt zur Jahresverbrauchsablesung? Vielfältiger denn je!

Knapp 100.000 Zähler, davon rund 60.000 Stromzähler, befinden sich in unserem Netzgebiet. Lest ihr die alle selbst und „von Hand“ ab?

Nein, nein. Da fänden wir ja kein Ende mehr. Die Ablesung funktioniert nur, weil wir die Arbeit aufteilen. Den Großteil, nämlich die Kern­städte Friedrichshafen und Überlingen, übernimmt ein Dienstleister. Jetzt gegen Ende des Jahres schwirren wieder 30 Mitarbeiter im Auftrag des Stadtwerks aus. Ihre Ablesungen dienen uns als Grundlage für die Jahresverbrauchsabrechnung, die unsere Kunden jeweils im Januar des Folgejahres erhalten.

Und die Zähler außerhalb des Stadtgebiets?

Alle Stadtwerk-Kunden, die außerhalb der innerstädtischen Gebiete wohnen, erhalten Anfang Dezember Selbstablesekarten per Post.

Und du? Wo liest du ab?

Ich bin eher unterstützend und meistens für die etwas kniffligeren Fälle zuständig. Also sprich, für die Ablesung von Zählern, die beispielsweise steinalt und schwer zugänglich sind oder sich in komplett anderen Gebäuden oder Straßenzügen befinden. Einem Externen all das zu erklären ­würde ewig dauern. Da fahre lieber ich kurz raus und übernehme die Ablesung selbst. Hier profitiere ich einfach von meiner langjährigen Erfahrung und der damit verbundenen Netzkenntnis.

Beim Ablesen hast du bestimmt das ein oder andere Erlebnis.

Na ja, es passiert öfter, dass ich mit großen Augen angeschaut werde, weil die Kunden gar nicht wissen, wo sich ihr Zähler befindet. Manchmal werde ich auch spontan zum Möbelpacker, weil die Wohnungsbesitzer den Zählerschrank hinter Kleiderschränken oder Garderoben versteckt haben. Böse werde ich meinen so liebevoll genannten „Pappenheimern“ aber trotzdem nicht. Ich nehme es gelassen und helfe, wo ich kann. Aktuell übrigens auch stets mit Mund-Nasen-­Bedeckung und genügend Abstand – ist ja klar.

„Smart Meter“, also intelligente Zähler, sind beim Stadtwerk auf dem Vormarsch. Du als „händischer“ Ableser. Wie passt das zusammen?

Klar, der intelligente Messstellenbetrieb kommt. Schließlich bringt er ja auch jede Menge Vorteile mit sich – vom Komfort und von der Kosteneinsparung mal ganz zu schweigen. Sorgen um meinen Job muss ich mir beim Stadtwerk aber glücklicherweise trotzdem nicht machen. Schon jetzt widme ich ohnehin nur noch einen Bruchteil meiner Zeit der Ablesung. Hauptsächlich dreht sich mein Arbeitsalltag um Inkasso-Prozesse. Mein Job ist sozusagen eine Schnittstelle zwischen Ablesung und Forderungsmanagement –sprich, wenn Kunden nicht zahlen.

Inkasso – ein eher unangenehmes Thema, oder?

Nicht unbedingt. Ich gehe offen und freundlich auf die Menschen zu, setze mich mit ihnen an einen Tisch und frage nach den Hintergründen für die offenen Rechnungen. Oftmals finden wir dann gemeinsam eine Lösung, beispielsweise in Form von Ratenzahlung oder Ähnlichem. Aber klar, wenn jemand trotz mehrerer Absprachen immer noch nicht bezahlt, sperre ich in letzter Instanz den Strom. Das kommt – glücklicher­weise – aber wirklich nur ganz selten vor.

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