Voll im Einsatz

Roman Steurer rückt aus, wann immer es einen kniffligen Rohrbruch oder ein Gasleck zu flicken gibt – notfalls auch in der Nacht.

Als Monteur bist du viel draußen unterwegs. Fluch oder Segen?
Segen! Ein klassischer Bürojob wäre nichts für mich. Da schätze ich das Arbeiten draußen an der frischen Luft viel zu sehr. ­Außerdem muss ich als Monteur ja trotzdem jede Menge ­dokumentieren. Das verlege ich immer möglichst auf ungemütliche ­ Regentage und hole so das Beste aus jeder Witterung raus.

Dokumentieren? Klär uns auf.
Alle Arbeiten, Wartungen und Sanierungen am Gas- und Wassernetz müssen bis in das kleinste Detail dokumentiert werden: Wie viele Meter Rohr wurden ein- oder ausgebaut? Wo genau verlaufen Leitungen? Welches Material wurde verbaut, und, und, und. Manchmal etwas lästig, aber im Ernstfall lebensrettend.

Roman Steurer gibt Gas. In seinem Bereitschaftssprinter und als Gas-/Wasser­monteur.

Wie könnte so ein Ernstfall aussehen?
Ganz unterschiedlich. Beim Wasser geht’s eher unspektakulär zu: hier mal ein Druckabfall beim Wasser, da mal ein Rohrbruch. Beim Gas sieht die Sache schon ganz anders aus. Das liegt einfach in der Natur der Sache.

Gas-Notruf. Wie gehst du vor?
Strikt nach Protokoll: Zunächst prüfe ich mein Gas-Messegerät auf Funktion. Dann betrete ich das Gebäude, taste mich langsam vor und habe dabei stets den in der Raumluft angezeigten Gaswert im Blick. In 90 Prozent der Fälle entpuppt sich der vermeintliche Gasgeruch dann als aus­gelaufener Farbeimer oder totes Ungeziefer.

Und bei den restlichen 10 Prozent?
Da ist zum Beispiel ein Gewinde undicht, weshalb ich das Gas letztlich abdrehe. Je nach Gaskonzentration lasse ich im Anschluss für den Installateur eine gelbe oder rote Karte da, auf der steht, bis wann das Gewinde nachweislich repariert sein muss.

Spannend. Bei so einem Gas-Notruf schon mal Angst gehabt?
Angst nicht, eher Respekt. Wir haben beim Stadtwerk immer wieder Schulungen. Außerdem werden die Gasleitungen im kompletten Netzgebiet regelmäßig untersucht. Hinzu kommt der Übungsraum, wo Szenarien wie Gasalarm simuliert und für den Notfall geprobt werden können. Das beruhigt im Ernstfall ungemein.

Also kannst du hier Entwarnung geben?
Aber klar, hier ist wirklich alles doppelt und dreifach gesichert. Neben unserem Fachwissen kommen schließlich noch ­viele ­weitere Sicherheitsaspekte dazu. Wir montieren beispielsweise bei jedem Hausanschluss sogenannte Strömungswächter: Tritt Gas an irgendeiner Stelle im Netz aus, schließen diese innerhalb der Rohre auto­matisch und mehrere Mechanismen greifen. Bei unserer 24/7 besetzten Leitstelle poppt eine Meldung auf, und die ruft den jeweiligen Monteur in Bereitschaft an. Der rückt sofort aus, prüft die Lage und repariert das Leck meistens umgehend, oft auch in Zusammenarbeit mit dem Tiefbau.

24 Stunden, sieben Tage lang Bereitschaft. Klingt stressig.
Ist es – selbst wenn man nachts nicht losmuss. Ein schöner Grillabend bei Freunden? Ist nicht, da wir stets im Einzugsgebiet bleiben und innerhalb von 30 Minuten nach Anruf bei der Störung eintreffen müssen. Vom ­un­ruhigen Schlaf ganz zu schweigen – schließlich könnte die Leitstelle mich ja jeden Moment rausklingeln. Da ist es gut, dass die Bereitschaft rotiert und nur alle sechs Wochen auf dem Plan steht.

30 Minuten bis zum Einsatzort. Also Sirenen an und los?
Schön wär’s, Sirenen haben wir leider keine. Und auch unsere beiden Warnleuchten auf dem Dach des Sprinters dürfen wir ausschließlich zur Baustellenabsicherung ein­setzen. Lediglich für das Gratis-Fotoshooting bei den Radarfallen haben wir natürlich einen guten Grund, wenn es um einen Notfall geht.

Da ist es praktisch, dass du direkt gegenüber dem Betriebsgelände in Überlingen wohnst.
Was soll ich sagen? Einmal Überlinger, immer Überlinger. Vor allem morgens und mit einem fünfjährigen Sohn ist das sehr praktisch. Einmal über die Straße und schon bin ich mitten im Geschehen. Und nach ­Feierabend kommt der ein oder andere ­Kollege ab und an auch gerne auf ein Schwätzchen im Garten vorbei. Das ist für mich die perfekte Balance.

Die Arbeit direkt gegenüber. Kannst du da abschalten?
Inzwischen ja. Früher ist es mir noch schwerer gefallen, weil man ja trotzdem immer irgendwie unter Strom steht – und das, obwohl Strom beim Stadtwerk eigentlich in eine ganz andere Abteilung gehört.

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