Wohnen – klimaneutral und bezahlbar

Am Schättlisberg entsteht das innovative „Stadtquartier 2050“.

Ein ganzes Wohnquartier klimaneutral mit Strom und Wärme versorgen? Und das auch noch mit bezahlbaren Mieten. Ehrgeizig. Doch Überlingen hat sich genau das vorgenommen: Im Wohnquartier Schättlisberg sollen in den nächsten Jahren Wohnungen nahezu ausschließlich mit Wärme und Strom aus Sonne und Holz versorgt werden. Ziel: ein „gesundes“ Wohnquartier zu schaffen – sowohl was die Energieerzeugung als auch die soziale Struktur betrifft. Denn in den neuen wie den bestehenden Wohnungen sollen die Mieten bezahlbar und damit sozial verträglich sein.

Drei wesentliche Schritte umfasst das Projekt:

1. Im Quartier werden 170 Wohnungen neu gebaut. Der Wärme- und Stromverbrauch dieser Gebäude – inklusive des Stromes, den die Bewohner verbrauchen – soll dabei klimaneutral werden.

2. Zusätzlich sollen bestehende Gebäude im heutigen Wohngebiet Schättlisberg energetisch saniert und damit auf einen neuen Stand in Sachen Energieeffizienz gebracht werden.

3. Der Clou dabei: Die Wärmeversorgung erfolgt mit lokaler, erneuerbarer Energie. Diese wird ergänzt durch Wärme­speicher, die überschüssig produzierte Wärme „zwischenlagern“ können (siehe Kasten „Wärme aus Sonne und Holz“). Hier ist das STADTWERK AM SEE Projektpartner.

Das Modellprojekt setzt die Stadt Über­lingen übrigens in Partnerschaft mit der Stadt Stuttgart um. Gefördert wird es vom Wirtschafts- und Forschungsministerium des ­Bundes. Partner des Überlinger Teilprojektes sind neben Stadt und Stadtwerk auch die Baugenossenschaft Überlingen, die Energieagentur Ravensburg und die Puren GmbH. Die Erkenntnisse sollen dann auch auf andere Städte übertragen werden.

Weitere Infos finden Sie hier.

Wärme aus Sonne und Holz 

Bereits bisher versorgt das STADTWERK AM SEE das Wohngebiet Schättlisberg mit erneuerbarer Energie. Herzstück sind ein Wärmenetz und eine Holzhackschnitzel-­Anlage – betrieben mit Holz aus der Region. Für das Stadt­quartier 2050 erweitert das Stadtwerk das Netz und die Anlage, eine neue Solar­thermie-Anlage kommt hinzu: Wärme aus der Sonne, die zum Heizen und – im Sommer – für Warmwasser verwendet wird. Ein Gaskessel sorgt an besonders kalten Wintertagen dafür, dass die Wärme auch bei Höchstlast nicht ausgeht.

Innovativ ist das neue Drei-Leiter-­Wärmenetz. Das macht sich zunutze, dass zum Beispiel Fußbodenheizungen in Neubauten mit einer geringeren Vorlauftemperatur auskommen. Heizkörper, wie man sie aus älteren Gebäuden kennt, benötigen dagegen relativ heißes Wasser. Im Drei-Leiter-Netz wird das – von der Sonne oder der Holzheizung – erhitzte Wasser zunächst in die Altbauten geleitet und sorgt dort für warme Heizkörper. Das danach noch immer sehr warme Wasser wird nicht zurück in die Heizzentrale geleitet, sondern in die Neubauten. Dort reicht die Temperatur immer noch für die Fußbodenheizungen. So wird das heiße Wasser doppelt genutzt – Energie­effizienz und Nachhaltigkeit pur also.

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